Geschichte der Liedertafel
Die Anfänge
Die Gründung des Vereins MGV Kreuznacher Liedertafel führt uns zurück bis ins 19. Jahrhundert. Im Jahr 1887 schlossen sich der Kreuznacher Männergesangverein und der Burghardtsche Männergesangverein zur Kreuznacher Liedertafel zusammen. Vom ältesten Verein wurde das Gründungsdatum (1862) übernommen. 58 Säger waren nach diesem Zusammenschluss in dem neuen Chor vereinigt. Die musikalische Leitung lag in den Händen des Lehrers Karl Hörning. Präsident wurde Heinrich Martin.
Eine besondere Auszeichnung
1907 war für den Verein ein besonderes Jahr - es war das Jahr, in dem sich der Chor durch überragende Leistungen neben weiteren Preisen in Mannheim den so genannten „Kaiserpreis“ (große goldene Medaille), gestiftet von Kaiser Wilhelm II, ersang (auch diese Medaille befindet sich als Dauerleihgabe im Stadtarchiv). Das Erringen vom Kaiserpreis in Mannheim führte auch zu neuen Erfolgen in der Heimat, wobei sich die Sängerzahl auf 126 erhöhte. Für viele Jahrzehnte war der „Kaiserpreis“ das Markenzeichen der Liedertafel.
Erster Weltkrieg
Nach dem Ausgang des ersten Weltkrieges folgten schwierige Jahre in der französischen Besatzung. Aber gerade dadurch erfuhr das Vereinsleben einen erstaunlichen Aufschwung. Mit einer stattlichen Sängerschar konnte schon 1919 ein erstes Konzert in der vollbesetzten Pauluskirche in Anwesenheit des französischen Oberbefehlshabers und seiner Offiziere stattfinden.
Ein Zuhause in der Roßstraße
1926 erwarb der Verein unter Philipp Nicolay das Vereinshaus in der Roßstr. 10. Nach umfangreicher Renovierung wurde es 1928 bezogen. Nach der Währungsreform 1948 konnte das vereinseigene Haus in der Roßstraße völlig renoviert werden und stand dann dem Vereinsleben wieder zur Verfügung. Leider musste sich der Verein im Jahre 2012 von der Immobilie trennen.
Nürnberger Sängerwoche
Die Tage vom 05. - 07. Juli 1929 waren bedeutungsvoll für die Liedertafel. Die Teilnahme an der 2. Sängerwoche in Nürnberg unter Chormeister Josef Knettel war so erfolgreich, dass man mit der besten Leistung von Nürnberg heimkehrte. Geschichtlich bemessen ist der Erfolg von Nürnberg vergleichbar mit dem Erfolg von Mannheim 1907. Doch, so ist festgehalten, vom künstlerischen Standpunkt aus dürfte die Leistung in Nürnberg höher zu bewerten sein.
Zweiter Weltkrieg
Die Zeit des zweiten Weltkriegs lies die Sängerschar erheblich schrumpfen. Mit kleineren Konzerten und Veranstaltungen hielt man die Zeit durch. Nach dem Zusammenbruch 1945 erlosch dann zunächst die Tätigkeit des Vereins.
Dank der Initiative des damaligen Vorsitzenden, Herrn Dr. Michaelis, konnte bereits im Januar 1946 mit Genehmigung der Besatzungsmächte die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen werden. Die Chorproben fanden im Evangelischen Gemeindehaus (Standort der heutigen Sparkasse in der Roßstr.) statt. Musikdirektor Knettel stelle sich sofort wieder zur Verfügung und bereits am 11. Mai 1946 wurde mit großem Erfolg das erste Nachkriegskonzert durchgeführt.
Ein neuer Chorleiter
Das Jahr 1955 war für die Liedertafel insofern bedeutungsvoll, als Meister Knettel verkündete, noch im laufenden Jahr, aus Altersgründen die musikalische Leitung niederzulegen. Nach 48 Jahren galt es nun einen neuen Chorleiter zu finden. Nachdem 23 Bewerbungen mit Meister Knettel und Vorstand gesichtet waren, entschied sich im Oktober 1955 die außerordentliche Mitgliederversammlung in geheimer Wahl für den Bundeschormeister des Sängerbundes Rheinland-Pfalz, Rudolf Desch. Es konnte kein würdigerer Nachfolger Knettels gefunden werden, das stellte die Liedertafel in die Zeit mit Rudolf Desch bis zum Jahr 1991 mit vielen glanzvollen Konzerten unter Beweis.
100jähriges Jubiläum
1962 war wieder ein großes Vereinsjahr. Die Liedertafel feiert ihr 100jähriges Bestehen. 116 Sänger standen aufgeschlossenen Herzens auf der Bühne und folgten voller Disziplin der Zeichengebung Ihres Chorleiters. Der Chor durfte stolz darauf sein, Neues gewagt und in der Verbindung von Klassik und Neuzeit den Weg zu weiterem Schaffen gefunden zu haben. Rudolf Desch hatte den Weg vorgegeben.
Auf nach Frankreich
Als Botschafter nach Frankreich, zur Städtepartnerschaft mit Bourg-en-Bresse reiste die Liedertafel bereits im Jahre 1964. In einem Sonderkonzert im Stadttheater von Bourg wurde den ca. 800 Besuchern eine ausgezeichnete Interpretation deutscher Chormusik geboten. Rudolf Desch beherrschte den Chor wie ein Instrument, das er bis in die letzte Nuance hinein ausspielte. Herzlicher und lang anhaltender Beifall dankte dem Chor für seine reife Leistung. Bis zum Jahr 2015 fanden über 30 Begegnungen mit den Chorfreunden des Corale „A Coerur Jaoie“ später „Chorale La Villanelle“ in Bad Kreuznach und Bourg en Bresse statt. In Anerkennung dieser lebendigen Partnerschaft wurde der Liedertafel durch den damaligen Oberbürgermeister Helmut Schwindt eine Urkunde der Stadt verleihen.
Ein weiterer Höhenflug
Blättert man die Konzertprogramme der weiteren Jahre durch, so hat es nie an Themen für Konzerte gefehlt. Die Kunst unseres Chorleiters der Programmgestaltung darf dabei besonders erwähnt werden. So waren die Konzerte auf hohem Niveau bis zum Schluss der Chorleitertätigkeit von Rudolf Desch ein Markenzeichen der Liedertafel. Nicht zu vergessen die Rundfunkaufnahmen des Südwest-Rundfunks in Bad Kreuznach und im Aufnahmestudio in Kaiserslautern.
So musste es auch gelingen, als die Liedertafel beschloss “Meisterehren“ zu erringen, nämlich den Titel eines Meisterchores, die höchste Auszeichnung das Sängerbundes Rheinland-Pfalz. Am 15. März 1981 errang der Chor in Idar-Oberstein mit der Note 1,11 als bester teilnehmender Chor den Titel „Meisterchor des Sängerbundes Rheinland-Pfalz“.
Das Ende der „Ära Desch“
Das letzte Konzert mit Rudolf Desch fand am 20. Oktober 1991 statt. Mit dem Chorsatz „Steht auf und singt ein neues Lied“ endet die Ära Desch. Musikdirektor FDB Heinz-Gunther Ackva übernahm ab Januar 1992 die Chorleitung. In seiner Zeit als Chorleiter der Liedertafel bis zum 31.12.1997 darf man von weiteren hochkarätigen Konzerten berichten aber auch von weiteren Rundfunkaufnahmen in den Studios des Südwestrundfunks Kaiserslautern in den Jahren 1995 und 1996. Finanziell schwierige Zeiten hatte der Verein durch Vereinshausschulden zu bestehen. Leider konnte der Verein dem musikalischen Anspruch des Chorleiters nicht weiter gerecht werden.
Eine neue Zeit bricht an
1998 sollten nun endlich neue Weichen gestellt werden. Auf Initiative des 2. Vorsitzenden Wolfgang Gleich und des 1. Vorsitzenden des MC Harmonie Planig Dieter Wagner wurde die Chorgemeinschaft Liedertafel/Harmonie gegründet. Der Männerchorgesang konnte erhalten werden. Die Chorgemeinschaft bestand bis zum Jahr 2018. Die musikalische Leitungen lagen in den Händen von Chorleiter Denis Giongo bis 31.12. 2000. Ab 2001 übernahm Chorleiterin Nina Hermann bis zum 31.12.2013 die Chorleitung. Jährlich konnten gut besuchte Konzerte veranstaltet werden. In die Zeit der Chorleitung von Nina Hermann müssen zwei herausragende Konzertereignisse Erwähnung finden: 2011 das große Projektchorkonzert, gemeinsam mit dem Männerchor Liederkranz Bad Sobernheim zum 100. Geburtstag von Rudolf Desch mit nahezu 130 Sängern, aufgeführt in der Pauluskirche und der Mathiaskirche in Bad Sobernheim sowie das Konzert um 150jährigen Jubiläum der Liedertafel 2012 in der St. Nikolauskirche.
In der Mitgliederversammlung 1999 kam dann auch die Zeitenwende in der Besetzung der Vorsitzendenpositionen. Zwei gleichberechtigte Vorsitzende wurden, nach Satzungsänderungen, dem Verein vorgestellt. Als erstes Vorsitzendenteam wurde Wolfgang Gleich und Ehrenmitglied Harry Scherwat gewählt. Dieses Team leitete die Geschicke des Vereins bis zum Jahr 2013, da Harry Scherwat aus Altersgründen sich nicht mehr zur Wahl stellte. Seither führt das Team Wolfgang Gleich und Dr. Herbert Drumm den Verein. Harry Scherwat wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, er verstarb am 28.05.2023.
„Der neue Chor“
2014 war das Jahr für etwas ganz Neues. Unter dem Namen „Der Neue Chor“ wurde ein Projekt ausgerufen um den Männerchorgesang in der Liedertafel den Fortbestand zu sichern. Ein hoffnungsvoller Beginn mit der ersten Chorprobe am 11. Januar 2014 und einem Konzert am 02. November 2014 im großen Kursaal von Bad Kreuznach. Thomas J. Scheike konnte als Chorleiter gewonnen werden, auch leitete er von 2014 bis 2018 den Chor der Chorgemeinschaft.
Heute besteht der Chor aus 23 Chormitgliedern. Sie kommen aus dem gesamten Kreisgebiet und sorgen für Lebendigkeit im Chor und in der Liedertafel. Jährlich werden Konzerte an verschiedenen Veranstaltungsorten in Bad Kreuznach, wie zuletzt, im Jahr 2023, in der St. Wolfgangkirche aufgeführt.